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[Diagnose/Therapie] Gibt es keine gesunden Pferde mehr?

Ich habe das Gefühl, dass es nach den Aussagen ihrer Besitzer einfach keine „normalen“ und gesunden Pferde mehr gibt, zumindest nicht im Freizeitpferdebereich.

Jedes Pferd dem ich begegne hat gefühlt eine schwierige Vorgeschichte und nach Heilpraktiker, Bioresonanz, Pendel, Tierkommunikatorin, etc. ein chronisches Leiden, welches nun mit 20 verschiedenen Heilkräutern, 5 Globuli im Abstand von 3 Stunden, linksgedrehtem Wasser oder Farb-Aromatherapie behandelt werden muss.

Nein bitte nicht falsch verstehen, es geht mir nicht per se um Anzweiflung von Therapiemethoden, damit kenne ich mich zu wenig aus um das beurteilen zu wollen. Es geht mir eigentlich mehr darum, dass ich das Gefühl habe dass viele Pferde von ihrem Besitzern „krank gesprochen“ werden, weshalb diese ganzen Therapien begonnen werden. Ich persönlich sehe wenn ich mir diese Pferde ansehe häufig Unerzogenheit, Unrittigkeit, kein Bock vom Pferd und etwas Schiss dieser Menschen vor ihrem Pferd, eine Bekannte schreibt ihr Pferd gefühlt dauerhaft krank um im Stall gut argumentieren zu können, dass die es nicht arbeitet. Ansich wäre das ja völlig in Ordnung wenn sie dazu steht.

In dem Stall wo mein Senior steht habe ich das Gefühl eine Saftsekte hätte sich entwickelt, die Stallbesitzer mussten ein großes Regal aufstellen für Nierensaft, Bewegungssaft, div. Zusatzfuttermittel, das ist echt nicht mehr feierlich, für 25 Pferde gibt es ein großes Expedit voll mit Säften und da sind die Kräuter und andere Zusatzfuttermittel, die die Besitzer selber geben, noch nicht mal dabei. Jeden Tag wird im Stüberl auf dem Esstisch die große Kräuterbar aufgemacht und liebevoll für das Schätzchen in stundenlanger Kleinarbeit aus ca. 30 Kräuterdosen zusammengesetzt was das Pferd heute braucht.

Ich gestehe ich verstehe das alles wenn ein Pferd krank ist und auch danach im prophylaktischen Ausmaß, ich habe aber extrem den Eindruck, dass irgendwas in der Pferdeszene da im letzten Jahrzehnt extrem aus dem Ruder gelaufen ist. Die Zusatzfuttermittelindustrie ist einfach enorm geworden, für jedes vermutete Zipperlein gibt es ein Säftchen. Aus einigen Produkten ist wie eine Art Glaubenskrieg-Sektendenken geworden, andere werden verteufelt.

Gefühlt wird jedes Pferd auf irgendwelche Krankheiten getestet, wenn es einmal doof guckt (da muss es ja krank sein) und dann Unmengen zugefüttert. Und nein es gibt sicher kranke Pferde dabei- sie können doch aber nicht alle krank sein?

Läuft es in der Zucht so dass wir so viel kompensieren müssen? Ist das Grundfutter schlechter geworden sodass so massives Zufüttern notwendig ist? Sind es alles Übermuttis? Oder fängt eine Übermutti im Stall an und alle anderen fühlen sich schlecht wenn ihr Pferd das nicht alles bekommt und ziehen mit? Brauchen Pferde wirklich im Regelfall mehr als ihre Mineralstoffmischung zum Grundfutter? Müssen wir unsere Fütterei mit Zusätzen mal überdenken?

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Quelle: pferd.de